Der Beschneidehobel


Der Beschneidehobel und die Beschneidepresse

Ein glatter Buchschnitt schützt das Buch vor dem Eindringen von Staub und Verunreinigungen. Wenn das Buch in gefalzten Druckbogen aus der Druckerei kommt, ist es am Schnitt jedoch noch ungleichmäßig.  

Daher wurden die Bücher in früheren Zeiten (in der kunsthandwerklichen Buchbinderei, v.a. in England und Frankreich, noch heute) mit Hilfe des Beschneidehobels beschnitten.

Zu diesem Zweck presst man das Buch in eine Handpresse ein, die eine Führungsrinne für den Hobel besitzt. Der zu entfernende, ungleichmäßige Papierrand (ca. 2 bis 3 mm) ragt aus der Presse heraus. Der Hobel wird in die Führung eingesetzt und hin- und herbewegt. Dabei dreht man bei jeder Vorwärtsbewegung das hölzerne Gewinde des Hobels um eine Vierteldrehung vorwärts. Hierdurch wird das zungenförmige Messer, das sich am Fuße des Hobels befindet, ein kleines bisschen vorwärts bewegt und durchschneidet ein bis zwei Blätter. Dies wird so lange fortgesetzt, bis der Buchblock komplett durchschnitten ist und das Buch ausgepresst werden kann. 


Während die deutschen Buchbinder seit dem Mittelalter die Presse biem Hobeln schräg nach vorn geneigt hielten und das eine Ende am Boden abstützten, damit die Papierspäne leichter hinabfielen, bedienten sich die französischen und englischen Buchbinders einer hölzernen Unterkonstruktion, welche die Presse in der Horizontalen hielt, während der Arbeiter nur den Hobel zu bewegen hatte. Das Hobeln eines Buches erfordert viel Übung, damit es zu einem gleichmäßigen und rechtwinkligen Ergebnis führt. Das Einpressen ist recht langwierig. Aus diesem Grunde erfand um 1840 der französische Mechaniker Guillaume Massiquot die Schneidemaschine, die mit einem guillotineartigen Messer den Schnitt in einem einzigen Zug absolviert und die den Beschneidehobel verdrängte.

 



Beschneidehobel in einer französischen

Werkstatt des 18.Jahrhunderts



Kenner bevorzugen jedoch den mit der Hand gehobelten Schnitt, da er ganz gleichmäßig und spiegelblank erscheint, während der maschinelle Schnitt manchmal querlaufende Spuren des leicht schartigen Messers aufweist. In Frankreich wird bei kostbaren, auf handgeschöpfte Papiere gedruckte Ausgaben in der Regel nur der Kopf des Buches beschnitten, die anderen beiden Schnitte dagegen lediglich berauft (frz. „tranche ébarbée“). Beraufen bedeutet, dass nur einzelne besonders große Bögen den kleineren etwas angeglichen werden. Die kleineren behalten dadurch ihren originalen Büttenrand und gelten als „Zeugen“ (frz. „témoins“) für den Respekt des Buchbinders vor dem Werk. Dass dennoch der Kopfschnitt plan gehobelt wird, hat eine praktische Funktion: Hier setzt sich am ehesten Staub an, der bei einem ebarbierten Schnitt schwerer zu entfernen wäre. Der Kopfschnitt wird außerdem oft handvergoldet und ist dann noch kompakter und zugleich noch besser gegen das Eindringen des Staubes geschützt. Außerdem fällt der Goldschnitt am Kopf sogleich ins Auge. Hier verbinden sich praktischer Nutzen und Ästhetik des Buches in idealer Weise.

       


Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :